Geschichtliche Fakten

Der Erste Weltkrieg

Der „Große Krieg“, wie ihn Zeitgenossen nannten, hat in den vergangenen 100 Jahren schon viele Beinamen bekommen. So bezeichnet man ihn häufig als die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ oder als den „ersten totalen Krieg“. Diese Bezeichnungen werden verständlich, wenn man sich das bis dahin nicht gekannte Maß an Zerstörung und Gewalt vor Augen führt, welches Europa und große Teile der Welt in nur vier Jahren ins Chaos stürzt. Das Europa der Jahrhundertwende war durch drei ideologische Grundsätze geprägt: Militarismus, Imperialismus und Nationalismus. Alle europäischen Reiche strebten nach militärischer Vorherrschaft auf dem Kontinent und in Übersee. Eine besondere Unruhe in das europäische Gleichgewicht brachten jedoch die unermüdlichen Großmachtbestrebungen des Deutschen Reiches. Die aggressiv betriebene Imperialpolitik und das immense Aufrüsten der Kriegsflotte führten zu einer Anspannung in den Beziehungen Deutschlands, insbesondere zu Großbritannien und Frankreich. Ein weiterer folgenschwerer

Konflikt bestand zwischen Russland und Österreich-Ungarn, die beide um Einflusssphären auf dem Balkan konkurrierten. Es war dieser Konflikt, der im Sommer 1914 durch ein Ereignis verschärft wurde, welches bis heute als der entscheidende Auslöser des ersten Weltkriegs gilt. Am 28. Juni 1914 wurden der österreichisch-ungarische Kronprinz Franz Ferdinand und seine Frau Sophie von serbischen Nationalisten in Sarajevo ermordet. Österreich-Ungarn vermutete eine heimliche Beteiligung der serbischen Regierung und stellte ein Ultimatum aus, nach dem Serbien die Verantwortlichen zu verfolgen, jegliche anti-österreichische Propaganda im eigenen Land zu unterbinden und österreich-ungarische Beamte in die Ermittlungen auf serbischem Boden miteinzubinden habe. Serbien ging auf diese Forderungen nicht ein. Nachdem Österreich-Ungarn sich der bedingungslosen Unterstützung Deutschlands versichert hatte, erklärte es daher Serbien den Krieg. Aus dem deutsch-österreichischen Bündnis entstanden im Krieg die sogenannten Mittelmächte, zu denen später auch das Osmanische Reich und Bulgarien gehörten.

Serbien auf der anderen Seite wurde unterstützt durch einen starken Bündnispartner: Russland. Während Deutschland und Russland anfingen ihre Truppen zu mobilisieren, erklärte Deutschland dem Zarenreich kurzerhand den Krieg. Aus Angst vor einem russisch-französischen Bündnis und einem daraus resultierenden Zweifrontenkrieg erklärte Deutschland auch Frankreich den Krieg. Der berühmte Schlieffen-Plan sah vor, Frankreich in einer Blitzaktion zu besiegen, um dann alle Kräfte an die Ostfront schicken zu können. Auf dem Weg nach Frankreich beging Deutschland jedoch einen fatalen Fehler, es marschierte durch das neutrale Belgien. Belgien besaß eine Schutzgarantie Großbritanniens, sodass das Vereinigte Königreich Anfang August 1914 in den Krieg gegen die Mittelmächte eintrat. Es entstand die Entente, bestehend aus Frankreich, Russland, Großbritannien, Serbien, Belgien, Rumänien, Portugal, Griechenland und Italien und ab 1917 den USA. Der Schlieffen-Plan scheiterte, Deutschland wurde von Frankreich gestoppt. In Nordfrankreich und Südbelgien entstand eine

Frontlinie, die sich während des gesamten Krieges nur unwesentlich verschob. Da beide Seiten keine nennenswerten Vorstöße erreichen konnten, entwickelte sich ein Grabenkrieg. Eine Kampfsituation entstand, in der sich die Gegner in metertiefen Gräben einbuddelten und versuchten, die feindlichen Linien durch Artillerie- und Infanterieangriffe zu durchbrechen. Eine Art des Kampfes, die sehr verlustreich war und kaum sichtbare Erfolge zeitigte. Durch neuerfundene moderne Waffen, wie Maschinengewehre, Panzer und Giftgas fanden Millionen von Soldaten im Grabenkrieg den Tod. Trotz der Doppelbelastung an West- und Ostfront hielt Deutschland dem Druck der alliierten Streitkräfte zunächst stand. Der entscheidende Wendepunkt wurde erst mit dem Kriegseintritt der USA im April 1917 erreicht. Provoziert durch den uneingeschränkten U-Boot-Krieg des Deutschen Reiches und den deutschen Versuch Mexiko zu einem Angriff auf die USA zu überreden, trat die USA auf Seiten der Entente in den Krieg ein. Es folgte die letzte große Offensive der Deutschen im Frühjahr 1918, bei der alle verblie

benen Ressourcen aufgebraucht wurden. Der dabei errungene Vorstoß konnte nicht lange gehalten werden. Mit der Unterstützung der US-Armee waren die Alliierten den Mittelmächten weit überlegen. Auch innenpolitisch war das Deutsche Reich geschwächt, die Bevölkerung hungerte und protestierte. Im November begann in Deutschland eine Revolution, die zur Abdankung des Kaisers und zur Unterzeichnung des Waffenstillstands mit den Alliierten am 11. November 1918 führte. Im Januar 1919 wurde der Frieden in Paris besiegelt. Der Versailler Vertrag schrieb Deutschland die alleinige Kriegsschuld zu und verpflichtete die junge Weimarer Republik zu schweren Reparationszahlungen. Die österreichisch-ungarische Doppelmonarchie wurde zerschlagen, das Osmanische Reich löste sich ebenfalls auf. Der erste Weltkrieg war ein totaler Krieg, da er eine Intensität und Reichweite besaß, die man zuvor nicht gekannt hatte. Durch die Mobilmachung der englischen und französischen Weltreiche, kämpften Soldaten aus allen Teilen der Welt in Europa und machten aus einem europäischen einen globalen, einen

Weltkrieg. Zum ersten Mal wurden nicht nur Soldaten mobilisiert, sondern ganze Bevölkerungen. Die gesamte Gesellschaft wurde auf den Krieg ausgerichtet. Es entstand eine Heimatfront, an der alle Daheimgebliebenen – Frauen, Kinder, alte Menschen – die Kriegsmaschinerie durch ihre Arbeit in den Munitionsfabriken, als Krankenschwestern, landwirtschaftliche Hilfskräfte und andere Tätigkeiten in der Kriegswirtschaft am Leben hielten. Die Heimatfront war nicht nur eine wichtige Stütze für die Kriegsanstrengungen des eigenen Landes, sie wurde häufig auch zur Zielscheibe feindlicher Kriegsstrategie. Die ersten Luftangriffe auf zivile Ortschaften versuchten die Moral an der Heimatfront zu schwächen. Sowohl Großbritannien als auch Deutschland versuchten die Zivilbevölkerung durch Blockaden gegen Lebensmittelimporte auszuhungern und so die Kriegsgegner zur Kapitulation zu zwingen. Durch diese Maßnahmen gegen die Heimatfront gab es niemanden, der vom Große Krieg unberührt blieb.

Gesine Schuster

Historical Background

 

The ‘Great War’ as contemporaries called it, has been given many names over the past 100 years, such as the ‘Great Seminal Catastrophe of the 20th century’ or the ‘First Total War’. These terms are understandable when you consider the unprecedented degree of destruction and violence that plunged Europe and much of the world into chaos for just over four years.

 

At the start of the 20 th century, Europe was governed by three ideological principles: militarism, imperialism and nationalism. European empires were vying for military supremacy on the continent and overseas. Germany, in particular, was upsetting the balance of power with its aggressive imperial policy and the huge growth of its navy, leading to tensions with her European neighbours, especially  Britain and France.

 

Another serious conflict existed between Russia and Austria-Hungary, both competing for influence in the Balkans. It was indeed this conflict that escalated in the summer of 1914 with an event which is still regarded as the decisive trigger for World War One. On June 28 1914, the Austro-Hungarian Crown Prince Franz Ferdinand and his wife Sophie were assassinated in Sarajevo by a group of Serbian nationalists.  Austria-Hungary suspected the secret involvement of the Serbian government and issued an ultimatum demanding, among other things, control of the trials of the assassins. When Serbia rejected these demands, Austria-Hungary, after gaining unconditional support from Germany, declared war on Serbia.

 

During the war, the German-Austrian alliance formed the core of the so-called Central Powers, which later also included the Ottoman Empire and Bulgaria. Serbia on the other hand was backed by Russia. While Germany and Russia began to mobilize their troops, Germany declared war on the Tsarist Empire. Fearing a Russian-French alliance and a resulting two-front war, Germany also declared war on France. With its famous Schlieffen Plan, Germany intended to first defeat France with a rapid and decisive attack, and then send all its forces to the Eastern Front to take on Russia. On the way to France, however, Germany made the fatal mistake of marching its troops through neutral Belgium. Belgium had a British guarantee of protection, so Britain entered the war against the Central Powers in early August 1914. The Entente was formed, consisting of France, Russia, Britain, Serbia and Belgium, later joined by Romania, Portugal, Greece and Italy and from 1917 the USA.

 

The Schlieffen Plan failed, Germany was stopped by French troops. A front line emerged in northern France and southern Belgium, which remained unchanged throughout the war. Since neither opponent could make any significant advances, a trench war developed in which the opponents fought each other from dug-out trenches trying to break the enemy lines by artillery and infantry attacks. Millions of soldiers were killed by newly invented weapons such as machine guns, tanks and poison gas.

 

Despite having to fight on two fronts, Germany initially withstood the Allied Forces. The decisive turning point came, however, when the USA joined the Entente in April 1917, provoked by Germany’s use of unrestricted submarine warfare. In the spring of 1918 Germany sank her remaining resources into a last major offensive, but she was unable to hold onto the advances she had made. With the support of the US Army, the Allies were far superior to the Central Powers. Domestically, the German Empire was weakened, the population was starving and protesting. In November, Germany experienced the start of a revolution leading to the abdication of the Emperor and the signing of the ceasefire with the Allies on November 11, 1918.

In January 1919, the peace was signed in Paris. The Treaty of Versailles attributed sole responsibility for the war to Germany and placed heavy reparation payments on the young Weimar Republic. The Austro-Hungarian dual monarchy was broken up and the Ottoman Empire dismantled.

 

The First World War was a total war, because it was unprecedented both in scope and intensity. Through the mobilization of the British and French empires, soldiers from all over the world fought in Europe, turning a European war into a world war. For the first time not only soldiers were mobilized, but entire populations, too. All of society was aligned to the war. It created a home front, where all those left behind - women, children and the elderly – kept the war machine going through their work in munition factories, as nurses, agricultural workers and other jobs in the war economy. The home front was not only an important pillar in the war effort of each country, often it was also the target of the enemy’s war strategy. The first-ever air raids on civilian areas tried to weaken morale on the home front and both Britain and Germany tried to starve the civilian population of their enemy by blocking food imports in order to force their opponents to surrender. No one, whether at the front or at home, was left untouched by the Great War.

 

Gesine Schuster